Auszug aus der Chronik von Ichtershausen für das Jugendhaus Ichtershausen zusammengestellt und bearbeitet von Lehrer Paul Conrad nach Quellenmaterial zusammengetragen von Heimatforscher Oberlehrer Bach – Ichtershausen (1894 – 1945). Urkunden: Gemeindarchiv Ichtershausen Kirchenarchiv Ichtershausen Staatliches Archiv Gotha – Weimar – Hersfeld Klosterurkunden ges. von Prof. Rein Das Kloster Sankt Georg Ichtershausen      1147 – 1525 Um das Jahr 1100 gehörte der Ort „Uehtrichishusen an der Gera im Langwitzgau“ und seine große Gemarkung dem fränkischen Grafen Marquard I. Von Grumbach, einem treuen Gefolgsmann des Hohenstaufenkaisers Konrad III.. Für diesen zog er auch zur Rettung des Morgenlandes mit anderen namhaften Kreuzfahrern in den Krieg gegen die Türken. In diesem Feldzug mußte er sein Leben lassen. Von diesen schmerzlichen Verlust wurde seine Gemahlin Friedenauer von Grömbach schwer getroffen und beschloss, als „Seelengerät“ für ihren gefallenen Gemahl die ihr zugefallenen Besitzungen in Ichtershausen der Kirche zu schenken und ein Nonnenkloster zu errichten. Das Territorium wurde abseits der alten Durchgangsstraße der Franken am linken Geraufer gewählt. Als Model für den Kirchenbau stand das Kloster Reinhardtsbrunn bei Friedrichroda und der unbekannte Baumeistern führte den Bau in gleicher Weise aus. Das Baumaterial war Bundsandstein aus Seeberg bei Gotha, den die Bauern mit ihren Ochsengespannen in mühevoller Fronarbeit herbeischaffen mußten. Der Grundstein wurde 1133 gelegt. 1147 war der Bau vollendet und wurde der Jungfrau Maria und dem Heiligen Ritter Gerg  geweiht. Die ersten 16 Nonnen kamen aus dem Kloster Wächterswinkel, das zu dem Zisterzienser – Orden des Klosters Hersfeld  gehörte. Als Kleidung trugen die Nonnen graue Kutten. Die höchste Belegschaft bestand aus 85 Insassen mit einer Äbtissin als Leiterin. Alle Personennamen und ihre Herkunft sind von Anfang an bis zum Ende lückenlos nachweisbar. Die Ordensregeln waren sehr streng. Sittliche Verfehlungen der Nonnen sind nicht nachweisbar und auch unwahrscheinlich. Neben den täglichen religiösen Andachten und Feierlichkeiten beschäftigten sich die Nonnen mit Garten- und Feldarbeit und sorgten in der Anfangszeit für ihre Ernährung selber. Im Dorf übernahmen sie Kranken- und Altenpflege. Laien war der Zugang zum Gotteshaus nicht möglich, wenigsten in den ersten 300 Jahren nicht und später nur zu hohen kirchlichen Festen. Neben der Klosterkirche befanden sich ein Gebäude für die Unterbringung der Insassen und ein Verwaltungsgebäude – die Propstei, die von einem weltlichen Verwalter, dem einzigen Mann des Klosters, besetzt war. Die alten Grundmauern wurden später für Wirtschaftsgebäude des Schlosses überbaut und sind noch heute Bestandteil der Strafanstalt. Der heutige Klosterhof war der Wirtschaftshof, der sich im Laufe der Zeit zu einem regelrechten Gutshof entwickelte. Die Zahl der Einwohner des Dorfes steigerte sich von rund 100 Seelen im Jahre 1000 auf 600 Seelen im Jahre 1550. Die armen Bauernfamilien waren im Laufe der Zeit vollständig in wirtschaftliche Abhängigkeit des Klosters geraten und seufzten  unter der hohen Last der Zinsabgaben  und Frondienste  und trachteten danach dieses Joch abzuschütteln. Dieser Tag kam endlich mit dem 27.April 1525 , als die erbitterten Bauern von Ichtershausen und Arbeiter aus Arnstadt das Kloster stürmten und die Insassen, die gewarnt in das Kloster nach Erfurt flüchten konnten, vertrieben. Der mit bewaffneten Kriegern herbeigeeilte Abt Mykonius aus Gotha bewahrte die Klosterkirche vor der Zerstörung , konnte aber nicht mehr verhindern, das die Propstei arg zerstört und alle Zins- und Fronbücher auf einem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Den Bauern aber hatte die mutige Befreiungstat nichts genützt, sie wurden für den Aufstand hart bestraft. Nach 400-jähriger Herrschaft ging der geistliche  Besitztum wieder in einen weltlichen über. Am 16. Juni 1525 nahm der Kurfürst Johann der Beständige, der Sieger über Thomas Münzer in der Schlacht bei Bad Frankenhausen (15.05.1525) Besitz von dem Kloster und allen geistlichen Vermögenswerten einschließlich aller Liegenschaften. Noch am Sonntag im Juni 1525 wurde in der Kirche der erste evangelische Gottesdienst von dem eingesetzten Pfarrer Gnesius abgehalten. Bei der Bestückung des Nordturmes der Kirche mit Glocken bekam die größte die Aufschrift: „ Sie transit gloria munde „ übersetzt: So vergeht der Ruhm der Welt ! (Diese große Glocke wurde gegossen 1598, überstand auch den Brand der Kirche 1602, bekam aber 1937 ungeklärterweise einen gewaltigen Sprung und verlor ihren Klang. Im gleichen Jahr wurde sie aber in der Glockengießerei Schilling in Apolda umgegossen und genau reproduziert. Gewicht 14 Zentner, aufgehängt am 19.09.1937 ) Das Schloß Marienburg in Ichtershausen Nach dem Bauernkrieg wurde das ganze Gebiet Mittelthüringens an die Herzöge von Gotha in Lehen gegeben. Der erste von ihnen war Herzog Ernst der Fromme (1640 – 1674). Das Amt Ichtershausen und Wachsenburg wurde ab 1658 vom Amt Ichtershausen verwaltet. Die restaurierte Propstei (noch heute mit einem Verbindungsbau mit der Kirche verbunden) beherbergte die Amtsstuben und die Wohnungen der Amtsleute und Amtsschösser. Ein Sohn von Herzog Ernst - Bernhard -  bekam 1676 das Amt Ichtershausen von seinem Vater zugesprochen, siedelte von Gotha nach Ichtershausen über und baute sich mit einigen Abstand gegenüber dem Amthaus ein bescheidenes Schloß für seine Familie und sein Gefolge. Frontalfront Nordseite als Abschluß des großen Schloßhofes. Herzog Bernhard verlebte in Ichtershausen schwere Zeiten und bittere Leiden durch schlimme Pestseuchen. Er verlor dadurch seine 3 kleinen Kinder (in der Fürstengruft an der Kirche in „silbernen Särgen“ beigesetzt) und 12 hochgeschätzte Amtmänner und hochedle Hofdamen, die alle einzeln in einer Gruft für sich in der Kirche vor dem Altar feierlich genau zur Mitternachtsstunde beigesetzt wurden. (Die Gräber wurden 1927 bei der Restaurierung unter Leitung des Heimatforschers Bach und Conrad unter der Mithilfe von Strafgefangenen geöffnet und registriert. Um nicht immer an der Stätte seines großen Jammers und Unglücks leben zu müssen, tauschte Herzog Bernhard sein Amt Ichtershausen schon nach 5 Jahren 1681 mit dem seines Bruders Friedrich I. Dieser war sehr prunksüchtig und verbrauchte durch rauschende Feste und einen verschwenderischen Lebenswandel viel Geld, das von seinen Untertanen rücksichtslos durch Steuern und Frondienst herausgepresst wurde. Das bescheiden Schloß seines Bruders war ihm zu klein und unscheinbar und deshalb ließ er es umbauen und beträchtlich erweitern und vergrößern. Die große Längsfront mit dem Prunkportal und den zwei Seitenflügeln im Hof der Haftanstalt sind in ihrer Gesamtform noch heute erhalten. Als Baujahr wird in den Archiven des Schlosses Gotha das Jahr 1710 angegeben. Der Bauherr hat es auch Verehrung zu seiner Gemahlin Sybille – Maria – Marienburg genannt. In der Kirche ließ er eine neue Orgel erbauen und eine Loge erbauen und eine Loge für sich und sein Gefolge mit einem separaten Eingang vom Amtshaus. ( noch vorhanden) So kam er mit dem gemeinen Volk gar nicht in Berührung. Über Orgel und Loge ist noch sein Wappen mit den Buchstaben F & S (Friedrich-Sybilla) verschlungen in Holz geschnitzt zu sehen. Als Beitrag zum Schloßbau mußten die Bauern von Ichtershausen außer vielen Frondiensten, Gespannfuhren noch bare 1043 „Silbertaler“ aufbringen. (ungefähr 3129 Silbermark oder rund 2500 Zentner Weizen, pro Ztn. 1.36 Mark. Ein gelernter Arbeiter  18 Kupferpfennig pro Tag – 1 Liter Bier 2,8 Pf. Oder 6 Hühnereier – 1 Elle Tuch 24 Pf. - 1 Pfund Schweinefleisch 5Pf. Pfund Rindfleisch 4 Pf. Das Schulmeistergehalt jährlich 76,62 Silbermark (56 Ztr. Weizen) & Deputat v.Schulland. Der Pfarrer 31.50 Silbermark (25 Ztr Weizen & Deputat v. Pfarrland. Der Bürgermeister, meist der reichste bauer und ergebenster Diener des gräflichen Herrn 288,- Silbermark oder 210 Ztr. Weizen. Ichtershausen hatte rund 650 Einwohner. Wenn man bedenkt, das die Bevölkerung durch den 30-jährigen Krieg unheimlich gelitten hatte (1616 – 1648), die Höfe verwüstet, die Menschen ausgeplündert, verschleppt, gemordet, die Äcker verwüstet, die Bauern verlumpt und verhungert, so kann man sich ein Bild machen von dem damaligen Fleiß und Aufbauwillen der schwergeprüften Menschen jener Tage. Zur Zeit des Herzogs Friedrich verschlang die Hofhaltung 50 % der Gemeindeeinnahmen ohne die Steuern der zum Amt gehörenden ca. 20 kleineren Dörfer der Gemarkung. 1660 bekam Ichtershausen eine Stadtmauer mit 2 Toren und einen Wallgraben zum Schutz gegen herumziehendes Gesindel. 1678 eine Steinbrücke über die Gera und eine über den Mühlgraben. 1662 wieder 306 Einwohner mit 58 Familien. Mit dem Tote Friedrich I. Nahm das turbulente Leben im Schloß ein jähes Ende. Sein Sohn Friedrich der II., von dem verschwenderischen Leben seines Vaters angewidert, lebt sparsam und zurückgezogen. Der Steuerdruck ließ spürbar nach. 1691 – 1732 Herzog Friedrich III. Nachfolger 1732 – 1772 Herzog Ernst II. Von Sachsen-Gotha Altenburg 1772 – 1804. Er erklärte Ichtershausen zum Marktflecken 1697 mit 3 Jahrmärkten im Jahr – eine Apotheke wird genehmigt – der Ort bekommt eigene Gerichtsbarkeit. Inzwischen hatte der Ort wieder unter Kriegswirren zu leiden Siebenjähriger Krieg (1756 – 1763) 1787 wird von Herzog II. Der Frondienst abgeschafft. Nach 1804 wurde das Schloß nicht mehr von Herzögen bewohnt und in die Gemächer zog Museumsstille ein. Von 1804 bis 1918 gehörte das Amt Ichtershausen ohne Unterbrechung zum Herzogtum Gotha und wurde in diesem Zeitraum von weiteren Herzögen mit Titel „von Sachsen-Coburg-Gotha „ regiert. Noch sechs weitere Herzöge waren die Herren von Ichtershausen (insgesamt 12 Herzöge in 278 Jahren !) bis nach dem 1. Weltkrieg 1918 Thüringen ein Freistaat wurde. In dem Befreiungskrieg gegen die Herrschaft Napoleons in den Jahren 1812 und 1813 kam wieder Leben in das Schloßgebäude in Ichtershausen. Bei der Belagerung Erfurts, wo Napoleon eingeschlossen war, brach unter den Soldaten der Belagerungsarmee eine furchtbare Seuche aus, die Pest.  Das Schloß Ichtershausen wurde als Lazarett eingerichtet. Vom 12. November 1813 bis 3. März 1814 starben an dem bösen „Nervenfieber“ 700 brave Soldaten, alle schlesischen Regimentern angehörend, und wurden alle in einem großen Massengrab, dem „Preußengrab“ beigesetzt.Zur gleichen Zeit starben im Ort noch 152 Bauern (¼ aller Einwohner) an der eingeschleppten Seuche. Nach diesem schrecklichen Massensterben wollte niemand mehr die vollkommen verseuchten Räume betreten und das ehemalige Prunkschloß seines Erbauers blieb 50 Jahre lang eine gemiedene Hölle. Es mußte erst wieder ein Krieg kommen, um wieder zweifelhafte Menschenschicksale mit dem verwunschenen Schloß in Verbindung zu bringen. Diesmal waren es französische Kriegsgefangene, 525 französische Soldaten, die von einem Kommando des Infantrieregiments 95 von 165 Mann bewacht wurden. Im Jahre 1872 wurde das Lager nach Entlassung der Franzosen wieder aufgelöst. Von 1875 bis 1876 wurde das Schloß als „Kinderbewahranstalt“ eingerichtet. Wegen zu geringer Beteiligung, wegen der Abneigung gegen die Schloßräume wurde der Kindergarten wieder geschlossen. Seit 1878 hat das ehemalige Schloß bis auf den heutigen Tag nie wieder leer gestanden. Auch in den letzten 100 Jahren hat es nur zweifelhafte Menschenschicksale unter seinem Dache beherbergt. Schlußbemerkungen des Verfassers dieser kurzen Abhandlung Dieser Auszug aus der Chronik von Ichtershausen wurde von mir auf Wunsch für meinen Kollegen Werner Müller angefertigt. Aus den vorhandenen Unterlagen an Urkunden  und Abschriften wurde nur das Wesentliche herausgezogen und viele Einzelheiten weggelassen. Was die Angaben über die ehemalige Strafanstalt  und das heutige Jugendhaus betrifft, so sind diese verhältnismäßig dürftig, weil auch ein Heimatforscher an die urkundlichen Unterlagen der Justiz und der Strafvollstreckung einfach nicht herankommt. Für den inneren Dienstgebrauch können aber von einem Interessierten aus den Reihen der Angestellten mit geringer Mühe die Lücken nach 1945 ergänzt wurden. Paul Conrad,             Lehrer Ichtershausen
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